Interview mit Bruder Benedikt zum 125jährigen Bestehen der Alexianer in Münster

 

125 Jahre Alexianer in Münster – Anlass für einen dankbaren Rückblick

 

Bruder Benedikt, gemeinsam mit Ihnen möchten wir gerne auf die Anfänge, die Entwicklung und die Zukunftsperspektiven des heutigen Stammsitzes aller Alexianer-Regionen zurückblicken.

 

Lieber Bruder Benedikt, was bedeutet das Jubiläum für Sie persönlich?

Ein Jubiläum lädt immer zum dankbaren Rückblick ein. Ich bin dankbar für den Mut und die Entschlossenheit der Mitbrüder, dass sie sich damals vor 125 Jahren unter nicht leichten Umständen von Aachen aus auf den Weg nach Münster gemacht haben. Sie taten dies aus ihrem christlichen Auftrag heraus, um mit der Neugründung menschliche Not zu lindern und ausgegrenzten Menschen eine Heimat und Ansehen zu geben.

Was unsere Mitbrüder hier in Münster vor 125 Jahren, aber auch andernorts, begannen, möchten wir in eine sichere Zukunft führen. Daher feiern wir in diesem Jahr nicht nur das Münsteraner Jubiläum, sondern auch die Gründung der Stiftung der Alexianerbrüder am 31. Januar 2013.

 

Was waren Ihrer Meinung nach in den vergangenen Jahrzehnten wichtige Meilensteine in der Behandlung und Pflege der Bewohner und Patienten?

Das Krankenhaus und der Wohnbereich haben sich stark weiterentwickelt. Es konnten viele differenzierte Therapieangebote entwickelt sowie das Stations- und Wohnambiente verbessert werden. Dafür stehen exemplarisch die moderne gerontopsychiatrische Damian Klinik, der gesamte Werkstattbereich, das Reittherapiezentrum oder das Kunsthaus. Weitere hervorzuhebende spezielle Angebote sehe ich in der neuen forensischen Christophorus Klinik und in der kinder- und jugendpsychiatrischen Don Bosco Klinik.

 

Wie hat sich in den letzten 125 Jahren das Ordensleben entwickelt? Was hat sich gewandelt – was ist heute noch genauso beständig?

2012 begingen wir den 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils. Das Konzil hat nicht nur der Kirche als Ganze, sondern speziell auch dem Ordensleben wichtige Impulse gegeben und seine Erneuerung initiiert. Früher wurde zum Beispiel sehr viel Wert auf den absoluten klösterlichen Gehorsam gelegt. Die Mitbrüder waren damals oft rund um die Uhr auf der Station und haben dort teilweise sogar übernachtet. Freizeit gab es kaum.

Abgesehen von einem Arzt gab es keine weiteren Angestellten. Sämtliche pflegerischen Leistungen erbrachten die Brüder in Kooperation mit den Patienten und Bewohnern selbst. Das hat sich heutzutage wesentlich verändert. Im Kloster stehen das gemeinschaftliche und zugleich das individuelle Leben mehr im Vordergrund. Neben der Krankenpflege und anderen Tätigkeiten konzentrieren wir Brüder uns stärker auf unseren seelsorglichen Dienst.

Die tragenden Säulen des Ordenslebens waren und sind natürlich das Gebet, die Communio im christlichen Glauben und die feste Überzeugung, dass wir Menschen Gottes Ebenbilder sind. Dies gilt für alle Menschen, ob gesund oder krank. Den Letztgenannten gilt unsere besondere Achtsamkeit.

 

Welche Vorteile bringt aus Ihrer Sicht der Rückhalt der Ordensgemeinschaft für den heutigen modernen Klinikbetrieb?

Zunächst sind die Einrichtungen und Dienste der Alexianer, wie alle anderen Gesundheitseinrichtungen auch, ein Anbieter im Gesundheitswesen. Daraus resultiert unser Anspruch, vor allem zunächst gute und professionelle Arbeit zu leisten und den Menschen in ihrer Erkrankung und Bedürftigkeit effektiv zu helfen. Was uns Alexianer und andere kirchliche Einrichtungen darüber hinaus auszeichnet ist die Haltung, mit der wir unsere Arbeit verrichten und unser Unternehmen führen.

Ich kann ja einem physisch erkrankten Menschen medizinisch helfen und seine Gesundheit durch die Anwendung von Medikamenten und den Einsatz modernster medizinisch-technischer Geräte wieder herstellen, also ihn gewissermaßen wieder gesund machen. Für uns ist aber wesentlich, dass wir den Menschen nicht auf seine physische Dimension reduzieren, sondern ihn in seiner Ganzheit sehen. Es ist wichtig, dass neben dem ganzen medizinischen Knowhow auch das Herz dabei ist. Der Beruf sollte nicht nur dem Broterwerb dienen, sondern zur Berufung werden. Als christliche Einrichtung betrachten wir den Menschen in Übereinstimmung mit dem biblischen Zeugnis und der theologischen Tradition als Ebenbild Gottes.

Diese Überzeugung hat erhebliche Auswirkungen auf das Miteinander. Die Gottesebenbildlichkeit verleiht dem Menschen von der Zeugung bis zur Beerdigung und darüber hinaus eine besondere, unverlierbare Würde. Gottesebenbildlichkeit bedeutet ja in biblischer Perspektive, dass Gott mit uns kommuniziert, zu uns in liebender Beziehung steht – und wir mit ihm! So wie Gott mit uns Menschen umgeht, so sollen nun auch wir miteinander umgehen. Aus dieser Überzeugung heraus leisten kirchliche Einrichtungen durch die Vielfalt ihrer therapeutischen, pflegerischen und betreuenden Angebote sowie als Arbeitgeber einen wertvollen Dienst in der Gesellschaft und der Kirche, der nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

 

Wie können wir im stetig enger werdenden Wettbewerb dauerhaft bestehen?

Dies ist ein schwieriger Punkt, denn wir wissen nicht, was uns in den kommenden Jahren wirtschaftlich erwarten wird. Jedes Jahr hat seine eigene Dynamik und hängt wesentlich von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Wir müssen verantwortungsvoll mit unseren Ressourcen umgehen und zugleich mögliche Synergien noch besser nutzen.

Auf der anderen Seite steht natürlich, wie eben erläutert, die in der Gottverbundenheit wurzelnde christliche Grundhaltung. Ich bin davon überzeugt, dass die zu uns kommenden Menschen dies spüren und sich in guten Händen wissen. In diesem Sinne mache ich mir keine Sorgen um das Ansehen und die Wahrnehmung unserer
Einrichtungen und Dienste bei den Menschen.

 

Welche Rolle spielt der Standort Münster im Gesamtverbund?

Im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte hat sich Münster, parallel zur Entwicklung der standortbezogenen medizinischen und integrativen Angebote, schrittweise auch als Sitz der Dachgesellschaft herausgebildet. Neben der Wahrnehmung übergeordneter wirtschaftlicher und verwaltungstechnischer Aufgaben besteht eine wesentliche Bedeutung der Dachgesellschaft darin, für die anderen Alexianer-Regionen Impulsgeber im Sinne des alexianischen Geistes zu sein und für die Zukunft gemeinsam mit den jeweiligen Regionen die Unternehmensstrategie zu erarbeiten.

Zugleich muss sie Garant der alexianischen Einheit sein und diese nach besten Kräften fördern. Die neu gegründete Stiftung der Alexianerbrüder, die ihren Sitz ebenfalls in Münster hat, verschafft dem Unternehmen und somit dem Werk der Alexianer eine dauerhafte strukturelle Sicherung.

 

Was lieben Sie am Alexianer-Standort Münster am meisten?

Unser Kloster!

 

Was wünschen Sie sich für die Region Münster in Zukunft?

Ich wünsche mir weiterhin so viele innovative Mitarbeiter mit vielen Ideen. Die vergangenen 125 Jahre haben gezeigt, dass wir in unserer Entwicklung nicht stehen geblieben sind und uns immer neu der Frage gestellt haben, wie Menschen effektiv und nachhaltig geholfen werden kann.

Kranke zu heilen bzw. den Heilungsprozess zu unterstützen und den behinderten Menschen Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und dafür kompromisslos einzutreten, auch gegen Widerstände, das ist unser Auftrag auch in Zukunft. In diesem Sinne wünsche ich der Alexianer-Region Innovationskraft, innere und äußere Stabilität, Mut und Gottvertrauen!

 

 

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Bruder Benedikt