Rasante Entwicklungen auf einem festen Fundament

 

„Wir feiern die 125“

 

Im Jahre 1887 erwarben die Alexianerbrüder das alte Rittergut Haus Kannen für 60.000 Mark von den Jesuiten. Kurz darauf, im Jahre 1888, wurde der erste Kranke aus dem Clemenshospital in Münster im Haus Kannen aufgenommen. Und genau dieses Ereignis feiern wir nun im Jahr 2013 – 125 Jahre später. Die aus heutiger Sicht sehr irritierend anmutende Bezeichnung „Alexianer Irrenanstalt zu Haus Kannen bei Hiltrup in Westfalen“ bildet den Ausgangspunkt für alle in den folgenden 125 Jahren gegründeten Einrichtungen und Hilfeangebote der Alexianer im Münsterland.

 

Natürlich haben sich die Rahmenbedingungen im Laufe der letzten 125 Jahre dramatisch gewandelt. Jahrzehntelang haben ausschließlich die Alexianerbrüder selbst die ihnen anvertrauten Menschen betreut und gepflegt. Sie lebten mit ihnen unter einem Dach und versorgten sich bis weit in unsere Zeit durch gemeinsame Bewirtschaftung der eigenen Ländereien nahezu ausschließlich selbst.

 

Mit der rasanten Entwicklung – insbesondere in den vergangenen 30 Jahren – hat sich das Profil der Alexianereinrichtungen deutlich verändert. Mehr als 2.000 Mitarbeiter sind heute in den unterschiedlichen Bereichen für die Alexianer im Münsterland tätig. Aus dem alten Haus Kannen, in dem ausschließlich männliche Bewohner betreut wurden, hat sich ein differenziert aufgestelltes Unternehmen entwickelt, das in allen Bereichen der sozialen Sicherungssysteme, der Alten-, Kranken-, Jugend- und Eingliederungshilfe aktiv ist. Dennoch gibt es in den letzten 125 Jahren eine feste Konstante: Die Philosophie, das christliche Wertefundament, das Charisma der Alexianer-Brüdergemeinschaft. Wie gehen wir mit den uns anvertrauten Menschen um? Wie gehen wir miteinander um?

 

Wie können wir das Besondere der Alexianer in der täglichen Arbeit immer wieder deutlich machen? Die Antworten auf diese Fragen entscheiden darüber, ob der ganz besondere Geist in den Alexianer-Einrichtungen auch in den nächsten 125 Jahren bewahrt werden kann. Bei den Recherchen zur Geschichte der Alexianer in Münster bin ich auf einen Bericht im „Westfälischen Merkur“ aus dem Jahre 1912 gestoßen. Dieser historische Bericht wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens von Haus Kannen verfasst und weist die ein oder andere wunderbare Parallele zum Hier und Jetzt auf:

 

„Fünfundzwanzig Jahre sind verflossen, seitdem die Genossenschaft der Alexianer in dem früheren kleinen Jesuitenkloster bei Amelsbüren ihren Einzug hielt, um auch hier … die Wartung und Pflege der Geisteskranken männlichen Geschlechtes ohne Unterschied des Standes und der Konfession auszuüben … Aus der kleinen Anlage mit drei Kranken und fünf Brüdern hat sich im Laufe der 25 Jahre ein Gebäudekomplex…entwickelt, der in sich alle modernen Einrichtungen der Neuzeit birgt … und einen momentanen Stand von 370 Patienten und 45 Brüdern aufweist… Am letzten Sonntag wurde nun die Gründungsfeier mit einem Hochamt … eingeleitet … Aber auch in ganz besonderer Weise hatte man der Kranken gedacht, wie überhaupt die Alexianerbrüder sich bemühen, der noch vielfach verbreiteten Ansicht entgegenzutreten, daß in den Irrenanstalten die Tage der Kranken freude- und teilnahmslos fortschreiten, bis der Tod den Lebensfunken auslöscht. Schreiber dieses Artikels ist schon häufig Zeuge davon gewesen von dem schönen Verhältnis, das sich infolge der individuellen Behandlung und liebevollen Fürsorge zwischen den Kranken und den Brüdern gebildet hat. Nach dem Jubiläumstage wurden den Patienten eine extra gute Kost sowie Bier respektive Wein und Zigarren gereicht und in den verschiedenen Sälen sogar ein Tänzchen arrangiert... Mögen die zahlreichen Glückwünsche, die dem Hause von befreundeter Seite zuteil wurden, im reichsten Maße in Erfüllung gehen, zum Besten der leidenden Menschen und zum Wohle des Staates“.


Ich wünsche Ihnen beim Lesen unserer Jubiläumsbroschüre viel Spaß und freue mich darauf, das Jubiläumsjahr 2013 mit vielen Freunden der Alexianer zu begehen. Und zumindest am Tag der zentralen Festveranstaltung, am 24. Mai 2013, werden dann auch „... eine extra gute Kost sowie Bier respektive Wein und Zigarren gereicht …“


Ihr Stephan Dransfeld

 

 

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Stephan Dransfeld